cosmea® Wonderwoman – Susanne Diener
Viele Menschen sehen nur das fertige Produkt im Regal. Susanne Diener sieht, was dahinterliegt: Lieferketten, Verantwortung und die Frage, unter welchen Bedingungen Produkte entstehen, die wir täglich nutzen.
Als Ingenieurin für Bekleidungstechnik arbeitete sie in verschiedenen Produktionsländern im asiatischen Raum und erlebte hautnah, wie stark Herstellungsbedingungen Mensch und Umwelt beeinflussen können. Heute setzt sie sich beim Global Organic Textile Standard (GOTS) als Representative für Deutschland, Österreich und die Schweiz für mehr Transparenz, Verantwortung und glaubwürdige Standards ein.
Im Interview erzählt Susanne, welche Erfahrungen sie geprägt haben, warum glaubwürdige Standards so wichtig sind und weshalb Transparenz besonders bei Produkten mit direktem Hautkontakt den Unterschied macht.
Liebe Susanne, wir freuen uns sehr auf das Interview mit dir! Stell dich zuerst am besten selbst einmal kurz vor…
SUSANNE: >> Ich bin Susanne Diener, arbeite seit mehr als 25 Jahren in der globalen Textil- und Bekleidungsindustrie und repräsentiere seit 2024 GOTS (Global Organic Textile Standard) in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Privat bin ich Mutter von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und am liebsten in meinem Garten oder im Wasser unterwegs.
Nenne uns 3 Worte, die dich beschreiben.
SUSANNE: >> optimistisch, weltoffen, kooperativ
Wie sieht dein Alltag aktuell aus? Was bestimmt täglich dein Leben?
SUSANNE: >> Bei der Global Standards Foundation, der „Mutter“ des GOTS, arbeiten alle Kolleg:innen 100 % remote, es gibt keinen Bürostandort. Ich selbst habe mein Homeoffice im Kölner Umland, wo ich von meinem Schreibtisch auf meinen Garten blicke und gleichzeitig mit unserem rund 45-köpfigen Team verbunden bin, das in 12 verschiedenen Ländern lebt und 25 Sprachen spricht – gemeinsam kommunizieren wir auf Englisch.
Ich kann meinen Arbeitsalltag sehr frei gestalten. Ich beantworte Fragen von zertifizierten Unternehmen oder solchen, die es werden wollen, bin auf Messen und Tagungen präsent, arbeite an internen Dokumenten und halte gelegentlich Vorträge und Webinare für Fachpublikum oder Hochschulen.

Du hast als Ingenieurin für Bekleidungstechnik viele Jahre in Ländern wie Vietnam, Myanmar und Kambodscha gearbeitet. Wie kam es dazu und womit hast du dich beschäftigt?
SUSANNE: >> Nach dem Studienabschluss als Ingenieurin hatte ich ein Stipendium für 4 Monate Sprachkurs und 6 Monate Praktikum in Vietnam. Daraus wurden am Ende 7 Jahre, die ich in Vietnam gelebt, für verschiedene Unternehmen die Bekleidungsproduktion in der Region überwacht und im Qualitätsmanagement gearbeitet habe. Damals begannen Unternehmen gerade erst, ihre soziale Verantwortung in den Fabriken zu erkennen.
Du hast dort sehr unterschiedliche Produktionsbedingungen erlebt. Gab es Begegnungen oder Momente, die dich bis heute besonders geprägt haben?
SUSANNE: >> Vor allem in Kambodscha und Vietnam habe ich Menschen getroffen, die trotz schlechter Lebensbedingungen und wenig Entwicklungschancen optimistisch waren und alles gegeben haben für eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder.
Mir ist in dieser Zeit klar geworden, wie privilegiert wir Europäer sind mit unseren stabilen Rechtssystemen, Zugang zu Bildung und insgesamt verlässlicher medizinischer Versorgung.
In unserem Vorgespräch sagtest du zu uns: „Derjenige, der den Auftrag vergibt, hat Verantwortung.“ Was meinst du damit genau?
SUSANNE: >> Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist global eine relevante Ursache für Umweltverschmutzung, z. B. durch Abwässer oder Abfälle. Zudem arbeiten viele Menschen in der Produktion, da das Nähen nach wie vor wenig automatisiert ist.
Wenn der Preisdruck auf die Fabriken zu groß wird, ist da eine Ursache für die negativen Auswirkungen der Industrie. Deshalb braucht es faire Einkaufsbedingungen und auch klare Absprachen, was die Lieferkette neben dem eigentlichen Produkt leisten muss.

Zum Thema Geschlechtergerechtigkeit: Welchen besonderen Herausforderungen sind Frauen in Produktionsländern ausgesetzt?
SUSANNE: >> In vielen Gesellschaften sind Frauen den Männern rechtlich unterlegen, und das zeigt sich natürlich auch in der Arbeitswelt. Die Probleme reichen von ungleicher Bezahlung oder schnellerer Kündigung von Frauen über Bedrohung bis hin zu körperlicher Bestrafung oder sexueller Belästigung. Häufig müssen Frauen ihr erarbeitetes Geld zuhause an den Vater oder Ehemann abgeben. Zudem wird von ihnen erwartet, dass sie zusätzlich zur Erwerbsarbeit häusliche Pflichten erledigen;
dieses Phänomen sehen wir ja sogar hier bei uns.

Heute setzt du dich bei GOTS für hohe ökologische und soziale Standards ein. Erzähl uns mehr von deiner Arbeit und ihrer Wirkung.
SUSANNE: >> GOTS definiert seit mehr als 20 Jahren strenge umwelttechnische Anforderungen entlang der gesamten textilen Produktionskette und sichert gleichzeitig die Einhaltung der Menschenrechte sowie Sozialkriterien.
Meine Arbeit besteht darin, dass ich Unternehmen, öffentlichen Stellen und Konsumierenden den Inhalt und die Vorteile der GOTS-Zertifizierung näherbringe. Ich berate Unternehmen, die Teil unseres Standards werden wollen und begleite sie auf dem Weg zur erfolgreichen Auditierung. Die Auditierung selbst wird dabei durch unabhängige, akkreditierte Zertifizierungsstellen durchgeführt.
GOTS betrachtet nicht nur den Rohstoff, sondern die gesamte Lieferkette – was steckt hinter diesem Anspruch?
SUSANNE: >> Labels für Rohstoffe gibt es einige, genauso wie Labels für fertige Produkte. GOTS stellt sicher, dass auch der gesamte Produktionsprozess verantwortlich erfolgt, ohne den Einsatz schädlicher Chemikalien, mit Respekt für die Umwelt und die Menschen, die in der Produktion arbeiten oder das Produkt am Ende nutzen. Wir betrachten und sichern die Lieferkette vom Feld bis zum Shop.
Warum lohnt es sich, auf das GOTS-Siegel zu achten und was bedeutet es konkret für Endverbraucherinnen?
SUSANNE: >> Unser kleines T-Shirt im grünen Kreis bedeutet, dass die Endverbraucherinnen Gewissheit haben, dass das fertige Produkt sicher ist und alle Stufen der Verarbeitung kontrolliert wurden. Wir haben in unserem Team Spezialisten z. B. für chemische Sicherheit, Menschenrechte, Monitoring oder auch verantwortungsvolle Unternehmensführung. Mit dieser gesammelten Expertise entwickeln wir den Standard immer weiter. Unsere Vorgaben sind wissenschaftlich fundiert und anspruchsvoll, und gleichzeitig im industriellen Umfeld erreichbar.
Besonders bei Produkten mit direktem Hautkontakt wünschen sich viele Frauen Sicherheit und Transparenz. Worauf ist bei Hygieneprodukten besonders zu achten?
SUSANNE: >> Zunächst müssen alle Materialien natürlich weich und angenehm auf der Haut sein. Zudem ist hier die chemische Sicherheit besonders wichtig. Hygieneprodukte dürfen keine Stoffe freisetzen, die irgendwie schädlich sein könnten.

Kannst du uns den Unterschied zwischen unseren GOTS zertifizierten cosmea® Bio Tampons und herkömmlichen Tampons erklären?
SUSANNE: >> Bei herkömmlichen Tampons muss man sich auf die Angaben der Hersteller verlassen. GOTS hat klare, öffentlich einsehbare Vorgaben, welche Materialien zulässig sind, nämlich nachwachsende und nicht genetisch modifizierte Rohstoffe. Für die Außenschicht, den sogenannten Sicherheitsschleier, sind unter GOTS ausschließlich biologisch angebaute Baumwollfasern erlaubt. Das Problem mit Mikroplastik ist dadurch von vornherein ausgeschlossen.
Zertifizierte Tampons müssen zudem mit einer genormten, anwendungsnahen Testmethode auf Spurenchemikalien geprüft werden. All dies wird von unabhängigen Dritten überprüft, sodass Anwenderinnen die bestmögliche Sicherheit haben.

Was bedeutet „Frau sein“ für dich persönlich?
SUSANNE: >> In vielen Teilen der Welt haben Frauen immer noch weniger Rechte als Männer. In einigen Ländern werden Frauenrechte gerade sogar massiv eingeschränkt, und auch in Deutschland treten wir seit Jahren auf der Stelle, z. B. beim Schutz vor Gewalt, gleicher Bezahlung für gleiche Arbeit, oder den Anteil von Frauen in Führungspositionen. Ich bin der Meinung, dass finanzielle Unabhängigkeit der erste Schritt ist. Frauenleben sind vielfältig und nur die Frau selbst sollte entscheiden, wie sie leben will. Was ich mir wünsche, ist, dass Frauen solidarisch zueinanderstehen, Netzwerke bilden und auch laut werden, wenn es um gleiche Rechte und Chancen geht.

Was möchtest du Frauen mitgeben, die beim Einkauf bewusste Entscheidungen treffen möchten, sich aber manchmal von Siegeln, Labels und Nachhaltigkeitsversprechen überfordert fühlen?
SUSANNE: >> Nachhaltigkeit hat viele Facetten. Es ist völlig in Ordnung, einfach mal mit einzelnen Entscheidungen anzufangen. Siegel sollen ja gerade den Einkauf erleichtern, und natürlich muss man sich vorab einmal informieren, welche Siegel für was einstehen und welche glaubwürdig sind.
Oft hat man das Gefühl, selbst sowieso nichts ändern zu können. Aber man muss sich klarmachen, dass letztlich die Kunden und Kundinnen entscheiden, was die Industrie und der Handel anbieten. Gerade cosmea® ist ja ein Beispiel, dass man zertifizierte Produkte ganz einfach in Supermärkten oder im Drogeriemarkt findet.
Liebe Wonderwomen da draußen, habt Ihr Fragen an Susanne oder möchtet Ihr eure Meinung zu diesem Interview mitteilen?
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