Miriam Peters steht lächelnd vor einer Holzwand mit bunter Graffiti-Bemalung. Sie trägt einen grauen Pullover mit Frida-Kahlo-Motiv und verschränkten Armen.

Miriam Peters: „Hilfe gegen Gewalt darf kein Luxus sein – auch nicht auf dem Land!“

COSMEA® Wonderwoman – Miriam Peters

Miriam Peters ist Gründerin der gemeinnützigen Organisation LAND-GRAZIEN in Schleswig-Holstein. Sie unterstützen Frauen und Kinder im ländlichen Raum, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Mit ihrem außergewöhnlichen Konzept bringt Miriam Hilfe dorthin, wo sie oft fehlt – aufs Land. Statt klassischer Beratungsstellen setzt sie auf mobile, diskrete Beratung und gelebtes Empowerment. Miriam steht für Selbstbestimmung, Hilfsbereitschaft und Mut – und zeigt, wie Mitgefühl echte Veränderung bewirken kann. Miriam wurde für ihre Arbeit zudem mit dem Emotion Award, dem Cosmopolitan SupportHer Award, dem Ernst-Engelbrecht-Greve-Preis und kürzlich der GOLDENEN BILD der FRAU ausgezeichnet. Aber nun lernt sie einfach selbst kennen!

Liebe Miriam, wir freuen uns sehr auf das Interview mit Dir! Stell Dich zuerst am besten selbst einmal kurz vor…
MIRIAM: >> Hi, ich bin Miriam Peters und ich habe 2021 die LAND-GRAZIEN gegründet, eine mobile Beratungsstelle mit dem Schwerpunkt auf dem ländlichen Raum. Ich lebe selbst auf dem Dorf, zusammen mit meinen zwei Kindern und meinem Mann, außerdem habe ich Soziale Arbeit studiert. Gerade stecke ich mitten im Endspurt meiner Masterarbeit.

Nenne uns 3 Worte, die Dich und Deine Arbeit beschreiben:
MIRIAM: >> Unangepasst, mutig, lösungsorientiert

Wie sieht Dein Alltag aktuell aus? Was bestimmt täglich Dein Leben?
MIRIAM: >> Mein Alltag ist im Moment sehr wuselig, da ich neben meiner hauptamtlichen Arbeit bei den LAND-GRAZIEN und neben dem Kümmern um meine beiden Jungs, 9 und 7 Jahre alt, gerade in den Endzügen eines universitären Abschlusses bin. Das bedeutet für mich, dass ich derzeitig ‚nur‘ springe. Aber hey: An den Aufgaben wächst Frau bekanntlich. 😊

Du hast mit LAND-GRAZIEN ein einzigartiges Hilfsangebot geschaffen, das Frauen und Kinder im ländlichen Raum unterstützt. Wie ist die Idee dazu entstanden?
MIRIAM: >> Ich habe im Frauenhaus in Lübeck gearbeitet und dort mussten wir immer mal wieder Frauen abweisen, aufgrund fehlender Ressourcen. Das führte dazu, dass ich mich gefragt habe, was denn all die Frauen in den ländlichen Regionen um Lübeck herum machen, wenn sie abgewiesen werden. Und genau dort habe ich eine Lücke entdeckt. Es gab bis dato kein Angebot, das sich explizit an diese Zielgruppe gerichtet hat.

Miriam Peters sitzt in einem gemütlich ausgebauten Transporter, hält ein Glas in der Hand und blickt nachdenklich nach draußen. Mehrere warme Lichtquellen beleuchten den Innenraum.Euer Konzept mit einem mobilen Beratungsbus ist deutschlandweit einzigartig. Wie funktioniert diese Art der Unterstützung genau und wie reagieren betroffene Frauen darauf?
MIRIAM: >> Unser Beratungsmobil sieht von außen aus wie ein Handwerkerbus, mit Werbung und allem, was dazu gehört. Von innen ist er aber eine Beratungsstelle, ein gemütliches, kleines Büro. So haben wir die Möglichkeit, die Betroffenen überall dort zu treffen, wo sie sich eh aufhalten und sich vor allem sicher fühlen. Eine Frau, die auf dem Dorf wohnt, kann nicht immer ohne Weiteres in die nächste große Stadt fahren, um dort eine Beratungsstelle aufzusuchen, zumal die Öffnungszeiten dort in aller Regel recht begrenzt sind. Viele Frauen werden überwacht, wenn sie stundenlang weg sind, fällt das natürlich auf. Manche werden sogar via GPS getrackt. Die können gar nicht ohne Erklärung wegfahren. Mit dem Beratungsmobil können wir uns mit den Frauen aber z.B. am Feldweg treffen, wo sie immer die Gassirunde mit dem Hund geht. Oder auf dem Schulparkplatz. Ganz diskret, unauffällig, anonym.

Diese Möglichkeit wird sehr gerne in Anspruch genommen. Viele Betroffene haben Scheu, eine Beratungsstelle zu betreten und die Hemmschwelle ist bei uns durch die enorme Flexibilität einfach geringer. Wir sind der Meinung, dass Frauen, die Hilfe brauchen und suchen, nicht noch zusätzliche Steine in den Weg gelegt werden sollten. Wir legen großen Wert auf Niedrigschwelligkeit.

Miriam Peters sitzt lächelnd am Steuer eines Transporters und schaut aus dem geöffneten Fenster. Sie trägt eine graue Wolljacke und hat den Sicherheitsgurt angelegt.

Was unterscheidet die Arbeit auf dem Land von der Arbeit in klassischen Frauenhäusern oder städtischen Beratungsstellen?
MIRIAM: >> In der Stadt ist alles viel anonymer, während man sich auf dem Dorf in aller Regel kennt. Da ist eine viel geringere Distanz in der gemeinsamen Arbeit, was einerseits total von Vorteil sein kann, aber manchmal auch schwierig ist.

Miriam Peters sitzt in einem gemütlich ausgebauten Transporter, hält ein Glas in der Hand und blickt nachdenklich nach draußen. Mehrere warme Lichtquellen beleuchten den Innenraum.

Gibt es Herausforderungen bei Eurer Arbeit?
MIRIAM: >> Einige! Die größte ist wahrscheinlich die langfristige Finanzierung. Wir bekommen keine öffentlichen Gelder und möchten das auch gar nicht. Wir wollen unabhängig sein und frei arbeiten dürfen, ohne irgendwelche Auflagen. Das bedeutet aber gleichzeitig, dass wir auf Spendengelder angewiesen sind und sehr viele Anträge bei Stiftungen schreiben. Die Geldakquise erfordert sehr viel Kreativität und Geduld, das ist neben dem normalen „Tagesgeschäft“ oft sehr herausfordernd.

Die LAND-GRAZIEN stehen für Diskretion, Rückhalt und Vertrauen. Wie wichtig ist dieses Vertrauen, wenn Frauen den ersten Schritt wagen, um Hilfe zu suchen?
MIRIAM: >> Vertrauen ist absolut essenziell. Ohne Vertrauen funktioniert unsere Arbeit nicht. Die Frauen, die sich an uns wenden, wissen, dass wir an ihrer Seite stehen, sie nicht bedrängen oder verurteilen. Genau das ist aber oft die Angst von Betroffenen und der Grund, sich keine Unterstützung zu suchen: Dass man nicht ernst genommen wird oder Druck ausgeübt wird. Wir sind absolut und bedingungslos solidarisch mit den Frauen, die sich an uns wenden.

Was war bisher der bewegendste Moment in Deiner Arbeit mit LAND-GRAZIEN – ein Erlebnis, das Dir besonders im Herzen geblieben ist?
MIRIAM: >>> Einmal hat mich ein Junge, der mit zur Beratung kommen musste weil es einfach nicht anders ging (Eltern waren schon getrennt), nach dem Gespräch gefragt, ob seine Mama jetzt die Miete bezahlen kann. Er möchte nicht auf der Straße leben.

Wie gelingt es Dir, bei dieser bewegenden Arbeit in Deiner Kraft zu bleiben?
MIRIAM: >> So bewegend ist die Arbeit gar nicht. Sie bringt unglaublich viel Spaß und gibt mir Kraft. Alle Frauen, die sich an uns wenden, sind meine Vorbilder. So viel Kraft wie diese Frauen haben, habe ich gar nicht.

Miriam Peters liegt auf einem Holzboden, umgeben von zahlreichen Dokumenten und Formularen. Ihr Haar ist fächerförmig ausgebreitet, und sie blickt ruhig in die Kamera.

Was bedeutet „Frau sein“ für Dich persönlich?
MIRIAM: >> Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht so genau.

Wählst Du Deine Damenhygieneprodukte bewusst aus? Welche benutzt Du?
MIRIAM: >> Ich benutze Tampons und die müssen flutschen. Sobald sich da irgendetwas komisch anfühlt, ändere ich die Marke. Schon schlimm genug, dass ich die Periode habe, dann will ich wenigstens, dass die Produkte dafür „funktionieren“.

Was möchtest Du Frauen mitgeben, die sich vielleicht in schwierigen Situationen befinden und gerade Mut brauchen, einen neuen Weg zu gehen?
MIRIAM: >> Du brauchst nicht gleich den ganzen Weg auf einmal gehen. Der erste Schritt ist schon unglaublich viel wert. In dem Moment, wo Du Dir Unterstützung suchst, hast Du den wichtigsten Schritt schon getan.

Miriam Peters hockt vor einer Holzwand und hält ihre Hand mit der Aufschrift „Ich muss gar nichts“ in die Kamera. Sie trägt Jeans und eine dunkle Jacke und blickt ruhig und selbstbewusst.

Gibt es nächste Ziele mit LAND-GRAZIEN?
MIRIAM: >> Perspektivisch möchten wir unser Konzept bundesweit expandieren. Wir möchten, dass überall in Deutschland, in jedem Bundesland eine „Filiale“ der LAND-GRAZIEN zu finden ist, damit jede Frau, vor allem in den ländlichen Regionen, niedrigschwellige Unterstützung bekommen kann, wenn sie diese benötigt.

Liebe Wonderwomen da draußen, habt Ihr Fragen an Miriam oder möchtet Ihr Eure Meinung zu diesem Interview mitteilen?

Links:

Instagram: https://www.instagram.com/land_grazien/

LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/land-grazien/?originalSubdomain=de

Webseite: https://land-grazien.de/

Bildnachweise:
Fotos: ©Franzi Schädel

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